9 Wahlentscheidung
1Aus öffentlicher Meinung entstehen Wahlentscheidungen.
2Menschen wählen nicht in einem luftleeren Raum. 3Sie wählen mit den Bildern, Begriffen, Ängsten und Erzählungen, die ihnen zur Verfügung stehen. 4Wer Migration nur als Bedrohung sieht, wählt anders als jemand, der Ausbeutung, Krieg, Ressourcenpolitik und Verteilungsfragen als Ursache erkennt.
5Wer Armut als persönliches Versagen deutet, wählt anders als jemand, der Abhängigkeit als Systemfolge versteht. 6Wer den Staat als Problem sieht, wählt anders als jemand, der erkennt, dass private Kapitalmacht ohne demokratische Begrenzung noch weniger rechenschaftspflichtig ist.
7Wahlentscheidungen sind daher nicht einfach Ausdruck freier Vernunft. 8Sie sind das Ergebnis geprägter Wahrnehmung.
9Wer die Wahrnehmung formt, formt die Wahl.