ANUTET
Teil 4 · Vitium
Teil 4 · Kapitel 3 · 14 Sätze

3 Ungleichheit der Verteilung

1Ungleichheit ist nicht bloß ein statistischer Schönheitsfehler. 2Sie ist der Grundzustand, aus dem Abhängigkeit entsteht.

3Wenn wenige sehr viel besitzen, besitzen viele entsprechend weniger Zugriff auf Lebensmöglichkeiten. 4Bei begrenzten Gütern kann nicht jeder immer mehr haben. 5Mehr für wenige bedeutet weniger Macht, weniger Sicherheit und weniger Freiheit für viele.

6Ungleichheit der Verteilung heißt: Die einen können kaufen, was die anderen zum Überleben verkaufen müssen. 7Arbeitszeit. Aufmerksamkeit. Wohnung. Gesundheit. Zustimmung. Schweigen.

8Deshalb ist Ungleichheit kein Randproblem sozialer Gerechtigkeit. 9Sie ist der Motor des Systems.

10Wer viel besitzt, kann investieren. 11Wer wenig besitzt, muss arbeiten. 12Wer investieren kann, lässt andere arbeiten. 13Wer arbeiten muss, erzeugt Wert, der nicht vollständig bei ihm bleibt. 14Genau dort entsteht Ausbeutung und Rendite.

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