ANUTET
Teil 1 · Creatio
Teil 1 · Kapitel 1 · 22 Sätze

1 Vorwort

1Immer mehr Menschen vertrauen niemandem mehr.

2Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir in einer Welt voller Desinformation, KI und interessengetriebener Meinungen immer weniger beweisen können. 3Eine allgemeine diffuse Angst und Unsicherheit nehmen zu.

4Fakt von Fiktion und Lüge trennen zu können, führt schnell in die Überforderung und belastet Menschen, die genug damit zu tun haben, ihren Lebensalltag zu organisieren und sich um ihre Familien zu kümmern.

5Dabei erreicht uns der Großteil der Informationen, die über unser Leben bestimmen, über Medien. 6Wir haben keine Stammeskultur mehr, in der das direkte Beobachten der Umgebung und mündlicher Austausch genügen, um Realität erkennen zu können. 7Unsere Gesellschaften sind hoch organisiert, weitreichend und global integriert, sodass wir Medien für unsere Wahrnehmung der Welt brauchen. 8Medien, deren Verlässlichkeit immer mehr untergraben wird.

9Der Vertrauensverlust, der derzeit schleichend geschieht, entwickelt sich zu einem Muss. 10Restvertrauen wird immer mehr missbraucht und der kritische Abstand zu den Informationen, die uns erreichen, wächst nicht im Maß des Missbrauchs.

11Kontrollverlust ist das Schlimmste, was Menschen widerfahren kann. 12In einem Reflex, Kontrollverlust zu vermeiden, verharmlosen wir die Lage des Nicht-mehr-wissen-Könnens, indem wir das Meinungsangebot nach Elementen filtern, die wir glauben wollen. 13Wir begeben uns in die Illusion der Informiertheit, weil wir die Angst loswerden wollen, um ein ruhiges Leben führen zu können. 14Aber es bleibt eine Illusion und das Missbrauchspotenzial steigt, solange das nicht erkannt wird.

15Wir leben in einem Informationskrieg, der mit Geld geführt wird, weil Medien, Reichweite und Meinungsverstärkung Geld kosten. 16Wer über Vermögen verfügt, verfügt auch über die Mittel, Wahrnehmung zu formen. 17Das traurige Ergebnis ist, dass nichts mehr geglaubt werden kann und wir auf einen Minimalkonsens zurückfallen.

18Was uns am Ende bleibt, ist Urteilskraft. 19Aber Urteilskraft braucht eine tragfähige Grundlage.

20Es kann also nicht das Ziel sein, einen Beweis zu führen oder zu sagen: „Das alles ist wahr.“ 21Hier geht es darum, ausgehend von einfachen, intuitiv verständlichen Einsichten die Welt neu zu denken.

22Eine Reise, auf die wir uns alle begeben müssen, um wieder sehen zu lernen.

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